Klares Wasser, unsichtbares Risiko: Warum Legionellen im Sommer ein Thema sind

Wassertechnik - 17.08.2026

Sommerzeit ist Urlaubszeit – und genau das kann für die Trinkwasserhygiene in Gebäuden relevant werden. Wenn Wohnungen leer stehen, Duschen wochenlang nicht benutzt werden und Wasser in Leitungen bleibt, entstehen Bedingungen, unter denen sich Legionellen leichter vermehren können.

Das Tückische daran: Man sieht sie nicht, man riecht sie nicht, und auch klares Wasser sagt nichts darüber aus, ob hygienisch alles in Ordnung ist. Was es rund um Legionellen zu wissen gilt – von möglichen Risiken über die Vorbeugung bis zur Legionellenprüfung – haben wir mit den Expert*innen der Techem Wassertechnik zusammengefasst. 

Warum ist Trinkwasserhygiene in Gebäuden überhaupt ein Thema?

Bis zum Gebäude ist die Wasserqualität in Österreich sehr hoch. Ab der Hauskante kommt jedoch die Trinkwasserinstallation ins Spiel: Leitungen, Speicher, Armaturen, Temperaturen und Nutzung entscheiden mit, ob diese Qualität bis zum Wasserhahn erhalten bleibt.

Was genau sind Legionellen?

Legionellen sind Bakterien, die in der Natur weit verbreitet sind und auch in wasserführenden Systemen vorkommen können. Bekannt wurden sie 1976 nach einem Veteranentreffen in den USA, bei dem zahlreiche Menschen an einer schweren, bis dahin unbekannten Lungenentzündung erkrankten. Ein Jahr später konnte der Erreger isoliert werden.

Die Erkrankung durch Legionellen heißt Legionellose. Die bekannteste und schwerste Form ist die Legionärskrankheit – eine schwere Lungenentzündung. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Raucher*innen sowie Personen mit Vorerkrankungen, insbesondere der Lunge, oder einem geschwächten Immunsystem.

Wichtig ist: In der Regel ist nicht das Trinken des Wassers problematisch. Gefährlich kann es werden, wenn belastetes Wasser fein vernebelt und eingeatmet wird – etwa beim Duschen.

Wann können Legionellen zum Problem werden?

Legionellen vermehren sich vor allem dann, wenn Wasser länger steht, Temperaturen im lauwarmen Bereich liegen und sich Biofilm oder Ablagerungen bilden. Sensibel sind deshalb wenig genutzte Bereiche – etwa leerstehende Wohnungen, selten verwendete Duschen, Nebenleitungen oder stillgelegte Leitungsstücke. Im Sommer kann sich das verstärken: Viele Menschen sind auf Urlaub, Wasser wird weniger bewegt und warme Umgebungstemperaturen begünstigen das Wachstum zusätzlich.

 

Wie können sich Bewohner*innen schützen?

Bewohner*innen können vor allem dazu beitragen, dass Wasser regelmäßig fließt. Nach längerer Abwesenheit sollten Wasserhähne und Duschen vor der Nutzung gut durchgespült werden.

Bei Duschen empfiehlt es sich, das Fenster zu öffnen, den Raum gut zu lüften und das Wasser zunächst laufen zu lassen, bevor man duscht. So wird abgestandenes Wasser ausgespült und entstehender Wasserdampf kann besser abziehen. Auch selten genutzte Entnahmestellen – z.B. Waschbecken im Gemeinschaftskeller –  sollten regelmäßig gespült werden. Beim Warmwasser sollte man außerdem nicht zu stark sparen: Zu niedrige Temperaturen können hygienisch problematisch werden.

Worauf sollten Hausverwaltungen achten?

Hausverwaltungen und Eigentümer*innen sollten Trinkwasserhygiene als Teil der laufenden Gebäudebetreuung verstehen. Regelmäßige Kontrolle, fachgerechte Probenahme und nachvollziehbare Dokumentation helfen, Auffälligkeiten früh zu erkennen und Maßnahmen besser zu planen.

 

Wie läuft eine Legionellenprüfung ab?

Am Anfang steht die Probenahme. Techniker*innen entnehmen an definierten Stellen im Gebäude Wasserproben – etwa in Wohnungen sowie an zentralen Punkten der Warmwasserbereitung und Verteilung.

Die Proben werden anschließend möglichst rasch zur Analyse übermittelt. Für die Untersuchung werden Bedingungen geschaffen, unter denen vorhandene Keime wachsen können. So lässt sich feststellen, ob Legionellen vorhanden sind und in welcher Menge. Das braucht Zeit. Legionellen wachsen langsam, deshalb dauert es meist rund zwei bis zweieinhalb Wochen, bis ein Ergebnis vorliegt und weitergegeben werden kann.

Sie möchten sich zur Trinkwasserhygiene in Ihren Immobilien beraten lassen?

Das Team von Techem Wassertechnik ist gerne für Sie da und unterstützt Sie bei Fragen rund um Prüfung, Bewertung und geeignete Maßnahmen.

Was passiert, wenn ein Befund auffällig ist?

Vorweg: Ein auffälliger Befund bedeutet nicht automatisch, dass eine Anlage schlecht gewartet wurde. Er zeigt aber, dass man genauer hinschauen und die Situation fachlich einordnen sollte: Wie hoch ist der Wert? Welche Entnahmestelle ist betroffen? Wie wird die Anlage genutzt?

Je nach Situation können unterschiedliche Schritte sinnvoll sein – etwa Spülungen, eine technische Überprüfung, eine Anpassung der Warmwassertemperatur oder eine weitere Beprobung. Entscheidend ist, nicht vorschnell zu reagieren, sondern die passende Maßnahme für die konkrete Anlage zu finden.

 

Was macht Legionellenprüfungen besonders anspruchsvoll?

Trinkwasserproben sind Momentaufnahmen. Wenn eine Probe verarbeitet wurde, kann man sie nicht beliebig wiederholen. Soll eine Situation erneut geprüft werden, muss eine neue Probe vor Ort entnommen werden – und dann kann sich die Lage im Gebäude bereits verändert haben.

Dazu kommt: Die Untersuchung braucht Erfahrung, Sorgfalt und eine lückenlose Dokumentation. Jeder Schritt – von der Probenannahme über die Verarbeitung bis zur Bewertung – muss nachvollziehbar festgehalten werden. Nur so lässt sich ein Ergebnis verlässlich einordnen und die weitere Vorgehensweise fachlich sauber ableiten.

Gibt es typische Irrtümer rund um Legionellen?

Ja, einige. Ein häufiger Irrtum ist, dass nur alte Gebäude betroffen sein können. Tatsächlich können auch moderne Gebäude Risikobereiche haben – etwa wenn Wasser zu lange steht oder die Anlage ungünstig betrieben wird. Auch dass man Legionellen am Wasser erkennt, stimmt nicht. Wasser kann klar, geruchsneutral und geschmacklich unauffällig sein – und trotzdem überprüfungsbedürftig sein.

Legionellen vermehren sich dort, wo die Bedingungen passen. Genau deshalb sind regelmäßige Kontrolle, Erfahrung und gute Dokumentation so wichtig.

 

Hinweis: Alle Inhalte wurden mit Sorgfalt erstellt, eine Gewähr für Richtigkeit und Aktualität wird jedoch nicht übernommen

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